{"id":6695,"date":"2014-10-14T01:00:27","date_gmt":"2014-10-14T00:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/?p=6695"},"modified":"2015-04-03T19:32:11","modified_gmt":"2015-04-03T18:32:11","slug":"kriegstagebuch-1914-1915","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-niedersaubach.de\/?p=6695","title":{"rendered":"Kriegstagebuch von Johann Grohs 1914 &#8211; 1915"},"content":{"rendered":"<h1>Kriegstagebuch eines 17-J\u00e4hrigen aus Niedersaubach aufgetaucht<\/h1>\n<h1>Johann Grohs starb am 2. Mai 1915 in der 2. Flandernschlacht in Thorout bei Ypern<\/h1>\n<h1>Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag unter Schirmherrschaft des Ministers Stephan Toscani<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Priester wollte er eigentlich werden wie sein Bruder Nikolaus Grohs, der sp\u00e4ter viele Jahre in Losheim als Pfarrer wirkte. Johann Grohs besuchte das Gymnasium in St. Wendel und meldete sich wie fast alle seine Mitsch\u00fcler freiwillig in gro\u00dfer Euphorie in eine Maschinengewehrabteilung in Metz, und zwar zum Reserveinfanterieregiment 213, Maschinengewehrzug 35.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6696\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6696\" class=\"wp-image-6696\" src=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs-752x1024.jpg\" alt=\"Gefreiter Johann Grohs, RIR 213, MGA 35, Archiv: Edith Spaniol\" width=\"600\" height=\"816\" srcset=\"https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs-752x1024.jpg 752w, https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6696\" class=\"wp-caption-text\">Gefreiter Johann Grohs, RIR 213, MGA 35, Archiv: Edith Spaniol<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jetzt ist sein Kriegstagebuch aufgetaucht, das sein Bruder Nikolaus 1915 nach seinem \u201eHeldentod\u201c zur \u201eewigen Erinnerung\u201c erstellt hatte. Geschrieben in S\u00fctterlin (70 Seiten), der Tage transkribiert von Walter Nimmesgern (Lebach), vermittelt es auf bewegende Weise die Eindr\u00fccke eines kriegsbegeisterten Jugendlichen, der die Schrecken des Stellungskrieges in Flandern erleben und f\u00fcrchten musste. Im ersten Kriegswinter bei eisiger K\u00e4lte und durchdringender N\u00e4sse in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben an der Westfront machte sich auch bei ihm sehr schnell Ern\u00fcchterung breit. Schlie\u00dflich hatte er wie so viele ganz fest gehofft, Weihnachten 1914 siegreich wieder daheim in Niedersaubach bei den Eltern und Geschwistern zu sein.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6697\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a title=\"Kriegstagebuch von Johann Grohs, Archiv: Maria Sch\u00e4fer (Neipler)\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/Dokumente\/WKI\/Johann-Grohs_Kriegstagebuch_Suetterlin.pdf\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6697\" class=\"wp-image-6697\" src=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kriegstagebuch-678x1024.jpg\" alt=\"Kriegstagebuch\" width=\"600\" height=\"906\" srcset=\"https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kriegstagebuch-678x1024.jpg 678w, https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kriegstagebuch-198x300.jpg 198w, https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kriegstagebuch.jpg 816w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6697\" class=\"wp-caption-text\">Kriegstagebuch von Johann Grohs, erstellt von Nikolaus Grohs 1915, Archiv: Maria Sch\u00e4fer (Neipler)<\/p><\/div>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Dieses Startbild anklicken, um zum in S\u00fctterlin geschriebenen Original von Nikolaus Grohs aus dem Jahr 1915 zu gelangen!<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Kriegstagebuch von Johann Grohs, Transkript von Walter Nimmesgern, Archiv: Maria Sch\u00e4fer\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/Dokumente\/WKI\/Johann-Grohs_Transkript_Nimmesgern.pdf\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Und hier ist das der Tage von Walter Nimmesgern erstellte Transkript zu lesen (einfach hier anklicken, um zum PDF-Dokument zu kommen)!<\/em><\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Am 22. April 1915 wurde Johann Grohs durch eine Granate schwer verletzt. Bald musste ein Bein amputiert werden, weil sich Wundfieber breitmachte. Die gr\u00f6\u00dfte Sorge, die ihn in seinen letzten Tagen im Feld-Lazarett in Thorout umtrieb, war, ob er ohne Beine Priester werden k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Oberschule in Thorout hatte sich bereits 2012 mit dem Jungen aus Niedersaubach besch\u00e4ftigt, weil er viele Jahre auf dem Schulhof beerdigt lag. Eine gleichaltrige Fl\u00e4min trug dort seine kurze Lebensgeschichte vor. Und ein Lied wurde ihm gewidmet: Come home!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Alle Beitr\u00e4ge (Kriegstagebuch im Original wie auch das Transkript von Walter Nimmesgern) sowie der Film, den die Thourouter Oberschule anl\u00e4sslich der Gedenkveranstaltung f\u00fcr Johann Grohs gedreht hatte, sind hier zu finden.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Unter Schirmherrschaft des saarl\u00e4ndischen Ministers Stephan Toscani wird Niedersaubach am Volkstrauertag (Sonntag, 16. November, 17 Uhr \u2013 19 Uhr) in der Antoniuskapelle und sp\u00e4ter im Antoniusheim der 16 Gefallenen des Dorfes gedenken.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lothar Schmidt<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Johann Grohs. * 1897\/ + 1915\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/?page_id=2927\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Hier findet man die eigene Internetseite von Johann Grohs (einfach hier anklicken).<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Kolleg Torhout gedenkt Johann Grohs; Film, ver\u00f6ffentlicht auf Youtube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Hv3GL9yBG5w\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Hier ist der Filmbeitrag der Torhouter Oberschule zu finden (einfach anklicken).<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Und weil bei uns nun mal nicht jeder Fl\u00e4misch bzw. Niederl\u00e4ndisch spricht, habe ich einen Holl\u00e4nder namens Mathy Jacobs gebeten, den Vortrag der jungen Fl\u00e4min ins Deutsche zu \u00fcbersetzen, wof\u00fcr ich ihm herzlich danke!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Hier ihre Ansprache:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Johann Grohs war ein deutscher Soldat, der wie viele andere Soldaten f\u00fcr sein Vaterland gefallen ist.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Er war noch keine 100 m von hier begraben, lag dort jahrelang und wurde dann umgebettet nach Hooglede (Roeselare), um dort seine letzte Ruhe zu finden zwischen mehr als 8.000 Br\u00fcdern. <\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Diese 8.000 erlitten das gleiche Schicksal. Ich denke, wenn wir dahin gehen, f\u00e4llt uns der eine Grabstein zwischen so vielen gar nicht auf.\u00a0 Es ist zwischen all den Steinen ein &#8222;nichtssagender&#8220; Stein, aber das war Johann Grohs ganz und gar nicht. Er war ein Junge von kaum 18 Jahren, ein Junge mit Tr\u00e4umen und Freunden und Familie, die ihn liebte. Zudem war er ein guter Student, und sein gr\u00f6\u00dfter Traum war, Priester zu werden &#8211; wie sein gro\u00dfer Bruder. Und er hat den Traum aufgegeben, um in den Kampf zu ziehen. Obwohl er nicht wusste, ob er zur\u00fcck kommt zu seinen Eltern, seinen Schulfreunden, und wenn er zur\u00fcck kommt, in welcher Verfassung er sein w\u00fcrde.\u00a0 Eines wusste er aber, dass es schwierig werden wird. Es sollte ein hartes Leben werden.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Und doch gab er seinen Traum auf, um f\u00fcr sein Land zu k\u00e4mpfen, und ich denke, dass niemand von uns das tun w\u00fcrde, wenn Belgien im Kampf w\u00e4re. Weg zu gehen und nicht zu wissen, ob man zur\u00fcck kommt, muss verdammt hart sein. Man sagt, dass junge Soldaten mit dem Mut k\u00e4mpfen, weil sie denken, dass sie unsterblich sind. Sie denken, dass nichts passieren kann, sie denken nicht daran, dass es von dem einen auf den anderen Tag vorbei sein kann. Am 22. April 1915 fand Johann Grohs heraus, dass er nicht unsterblich war.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Er wurde schwer verletzt bei einem Angriff. Er wurde im Feld erstversorgt und wurde dann f\u00fcr weitere Versorgung in unsere Schule gebracht. Unsere Schule diente derzeit als Milit\u00e4rlazarett. Die Hygieneumst\u00e4nde waren schlecht, junge M\u00e4dchen mussten mithelfen. Aber alles war besser, als mit einem St\u00fcck Granate in einem Bein rumzulaufen.\u00a0 <\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Als Johann am 28. April 1915 in unsere Schule kam, war er gebrochen. Beide Arme waren gebrochen, und sein rechtes Bein war zerfetzt. Das Bein musste sofort amputiert werden.\u00a0 Der Krieg hat ihn gebrochen, nicht nur mental, sondern auch physisch. Er wusste, er muss seinen Traum aufgeben &#8211; er w\u00fcrde nie Priester werden. Er wusste, dass er nie wieder nach Hause kommen w\u00fcrde &#8211; sein K\u00f6rper wurde immer schw\u00e4cher, dazu kam noch eine schwere Infektion. Sein K\u00f6rper k\u00e4mpfte noch, doch einige Tage nach der Ankunft in der Schule starb Johann Grohs. Und w\u00e4hrend sein Kreuz schon im Boden stand, wartete immer noch seine Familie auf seine R\u00fcckkunft. Sie wartete immer noch auf den Moment, dass er die T\u00fcr rein kommt und sagt: &#8222;Mama, ich bin zur\u00fcck, du brauchst keine Angst mehr zu haben&#8220;. Die Eltern erfuhren erst von seinem Tod, als eine Kiste mit seinen pers\u00f6nlichen Sachen zu ihnen geschickt wurde. Einfach mit der Post. Sie konnten sich nicht mal verabschieden. In der Kiste war ein Brief von einem Pastor, der sagte, dass Johann schneller bei Gott ist, als erwartet.\u00a0 Bei dem Gott, dem Johann so gern dienen wollte.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Aber macht das was aus? Die Eltern haben ihr Kind verloren. Er h\u00e4tte noch so viel erleben k\u00f6nnen, so viel tun k\u00f6nnen. Es ist zu sp\u00e4t &#8211; diese Eltern bleiben allein mit ihrer Trauer. Man bedenke, dass er nur einer von vielen war, der in diesem Krieg gefallen ist &#8230; .<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Kolleg Torhout singt f\u00fcr Johann Grohs: Come home!\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9sPBU5VFm6Y\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Die Sch\u00fcler haben auch ein Lied f\u00fcr ihn gesungen: Come home (Autor: Amatorski).<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegstagebuch eines 17-J\u00e4hrigen aus Niedersaubach aufgetaucht Johann Grohs starb am 2. Mai 1915 in der 2. 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