{"id":6866,"date":"2015-04-12T21:53:07","date_gmt":"2015-04-12T20:53:07","guid":{"rendered":"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/?p=6866"},"modified":"2015-04-12T22:28:34","modified_gmt":"2015-04-12T21:28:34","slug":"gymnasiast-aus-niedersaubach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-niedersaubach.de\/?p=6866","title":{"rendered":"Gymnasiast aus Niedersaubach &#8211; Johann Grohs"},"content":{"rendered":"<h1>Gerade 18 geworden \u2013 und wenige Tage sp\u00e4ter geopfert f\u00fcr Kaiser, Volk und Vaterland<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Johann Grohs besuchte das K\u00f6nigliche Gymnasium in St. Wendel (heute: Wendalinum), als am 1. August 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Der Niedersaubacher wollte eigentlich wie sein Bruder Nikolaus Priester werden. Erst an Ostern 1914 hatte er die Reifepr\u00fcfung zur Aufnahme in die Obersekunda bestanden.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6696\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6696\" class=\"wp-image-6696\" src=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs-752x1024.jpg\" alt=\"Gefreiter Johann Grohs, RIR 213, MGA 35, Archiv: Edith Spaniol\" width=\"550\" height=\"748\" srcset=\"https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs-752x1024.jpg 752w, https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Johann-Grohs-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6696\" class=\"wp-caption-text\">Gefreiter Johann Grohs, RIR 213, MGA 35, Archiv: Edith Spaniol<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wie alle seine Mitsch\u00fcler meldete sich der 17-j\u00e4hrige Niedersaubacher als Einj\u00e4hriger Freiwilliger an die Front, nachdem die Eltern dem Minderj\u00e4hrigen nachgegeben hatten (er war der dritte Sohn von sieben; die ganze Familie, in Niedersaubach wegen der zugezogenen Mutter aus Neipel auch die Neipler genannt, hatte 7 S\u00f6hne und 4 T\u00f6chter). Er meldete sich am 4. September 1914 in Metz bei der Fu\u00dfartillerie; weil er sich aber nicht ausweisen konnte, wurde er zun\u00e4chst abgewiesen; am n\u00e4chsten Tag wurde er in Saarlouis \u00fcbergl\u00fccklich bei der Maschinen-Gewehr-Kompanie des Infanterieregiments 30 angenommen; er war ein gro\u00dfer, kr\u00e4ftiger, sch\u00f6ner Junge, wie sein Bruder Nikolaus schreibt. Mit seinen 1,88 m \u00fcberragte er alle seine Kameraden. Er war mit vielen Bekannten aus Lebach und St. Wendel zusammen, sodass er sich w\u00e4hrend der Grundausbildung, die zum Teil auch bei Berlin stattfand, sehr wohl f\u00fchlte. Von seinem Dorf verabschiedete er sich anl\u00e4sslich seines letzten Heimaturlaubes am 18. November 1914 auf Nimmerwiedersehen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Am 23. Dezember r\u00fcckte seine Kompanie ins Feld; es ging an den Yser-Kanal nach Flandern in Belgien. Dort erlebte er die H\u00e4rten des Winterfeldzugs 1914\/ 1915, die nicht nur bei ihm zur gro\u00dfen Ern\u00fcchterung f\u00fchrte. Die Stellungen seiner Einheit befanden sich fast den ganzen Winter hindurch bei Bixchote. Die erbarmungslose K\u00e4lte und durchdringende N\u00e4sse in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben m\u00fcssen unertr\u00e4glich gewesen sein. Und der Tod war ein allgegenw\u00e4rtiger Begleiter \u2013 bei Freund und Feind. Am 1. April 1915 feierte er an der Front seinen 18. Geburtstag. Noch einmal w\u00fcrde er sich nicht freiwillig in diesen Weltuntergang hinein melden, schreibt er an seinen Bruder.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Am 22. April 1915 begann die Oberste Heeresleitung die 2. Flandern- bzw. Ypern-Schlacht. Die deutsche Armee setzte erstmals Giftgas ein, und die Folgen waren f\u00fcr die franz\u00f6sischen Soldaten bestialisch; sie erstickten grausam an den die Lungen zersetzenden Gasen. Bei einem Sturmangriff am gleichen Tag bei Het-Sas wurde Johann Grohs durch einen Granatsplitter schwer verwundet. Seine beiden Arme und Beine und die rechte Schulter wurden schwer getroffen. Nachdem er 2 Stunden lang unversorgt auf dem Schlachtfeld unter qualvollen Schmerzen gelegen hatte, wurde er in einer Feuerpause von seinen Kameraden in ein Notlazarett gebracht, das in einer Schule in Torhout behelfsm\u00e4\u00dfig eingerichtet worden war. Weil es nach wenigen Tagen zur Blutvergiftung kam (es gab noch kein Antibiotikum), musste sein rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert werden. Aber die Blutvergiftung war damit nicht mehr einzud\u00e4mmen. Am 2. Mai 1915 verstarb er. Seine qu\u00e4lende Sorge blieb bis zur Todesnacht, ob er ohne Beine noch Priester werden k\u00f6nne.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_6867\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duitse-soldaat-op-kerkhof.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6867\" class=\"wp-image-6867\" src=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duitse-soldaat-op-kerkhof-1024x649.jpg\" alt=\"Torhouter Schulhof im 1. Weltkrieg; Fotoarchiv: Chris Spriet\" width=\"550\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duitse-soldaat-op-kerkhof-1024x649.jpg 1024w, https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duitse-soldaat-op-kerkhof-300x190.jpg 300w, https:\/\/unser-niedersaubach.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duitse-soldaat-op-kerkhof.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6867\" class=\"wp-caption-text\">Torhouter Schulhof im 1. Weltkrieg; Fotoarchiv: Chris Spriet<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Gemeinde Torhout hat sich bereits 2012 eingehender mit diesem Niedersaubacher Jungen befasst. Ein mittlerweile pensionierter Lehrer namens Chris Spriet, der \u00fcber viele Jahre an der Schule unterrichtet hatte, in der Johann Grohs verstarb und auf deren Schulhof er auch zun\u00e4chst beerdigt lag, ist zuf\u00e4llig auf die Internetseite: www.unser-niedersaubach.de gesto\u00dfen. Dort studierte er die traurige Geschichte dieses jungen Mannes, der sterben musste, bevor sein Leben richtig begonnen hatte.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Am 2. Mai dieses Jahres, am 100. Todestag von Johann Grohs, wird eine Besuchergruppe aus Niedersaubach nach Torhout fahren. Sie ist eingeladen, an einer Gedenkfeier teilzunehmen, welche die Gemeinde Torhout f\u00fcr Johann Grohs ausrichtet. Begleitet werden die Niedersaubacher von einer hochrangigen Delegation des Volksbundes Saar. In Torhout wird Lothar Schmidt im Namen des Niedersaubacher Kultur- und Heimatvereins f\u00fcr Johann Grohs eine Gedenkrede halten. Und Roman Herrmann aus Gresaubach wird mitfahren, um auf seiner Trompete das Lied der deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs zu spielen: \u201eIch hatt\u2019 einen Kameraden.\u201c Und die Europahymne \u201eAlle Menschen werden Br\u00fcder \u2026 .\u201c Und die Parole wird nun lauten: \u201eNie wieder Krieg!\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lothar Schmidt<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S.:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir hatten schon einige Beitr\u00e4ge \u00fcber Johann Grohs und den wundersamen Kontakt mit Chris Spriet in Torhout (Belgien, Flandern) geschrieben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Kriegstagebuch eines 17-J\u00e4hrigen\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/?p=6695\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Kriegstagebuch eines 17-J\u00e4hrigen<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Johann Grohs\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/?page_id=2927\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Johann Grohs<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Eine wirklich bewegende Geschichte aus Flandern\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/?p=2051\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Eine wirklich bewegende Geschichte aus Flandern<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Kriegserinnerungen von Johann Grohs, Teil II, Archiv: Arnold Sch\u00e4fer (Bambachs)\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/Dokumente\/WKI\/Johann-Grohs_Kriegstagebuch-II.pdf\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Nun haben wir von Arnold Sch\u00e4fer (Bambachs) den 2. Teil der Kriegserinnerungen zur Ver\u00f6ffentlichung bekommen, welche der \u00e4ltere Bruder von Johann Grohs, Nikolaus Grohs (langj\u00e4hriger Priester in Losheim) f\u00fcr die Eltern aufgezeichnet hatte. <\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Johann Grohs, Kriegserinnerungen, Teil II, Transkript von Walter Nimmesgern\" href=\"http:\/\/unser-niedersaubach.de\/Dokumente\/WKI\/Johann-Grohs_Kriegstagebuch-II_Transkript_Walter-Nimmesgern.pdf\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Und Walter Nimmesgern hat wieder dankenswerterweise die Transkription aus dem S\u00fctterlin ins &#8222;Lateinische&#8220; \u00fcbernommen.<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade 18 geworden \u2013 und wenige Tage sp\u00e4ter geopfert f\u00fcr Kaiser, Volk und Vaterland Johann Grohs besuchte das K\u00f6nigliche Gymnasium in St. Wendel (heute: Wendalinum), als am 1. 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