Johann Grohs

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Johann Grohs (* 01.04.1897/ + 02.05.1915)

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In den Lebacher Familienbüchern erscheint Johann Grohs (der Hausnamen ist: „Neipler“ gegenüber dem „Burren“) unter der Eintrags-Nr.: 1056; als Todesort wird Thouront genannt. Er war bei Einberufung als Schütze noch Schüler. Die Eltern waren der Bergmann Johann Grohs (* 29.07.1864/ + 04.04.1937) und Anna Thies (* 24.10.1869 in Neipel/ + 09.11.1944 in Lebach).

Johann Grohs neben seinem Bruder Nikolaus (Pastor Grohs, Neipler Nickel), hinter seinen Eltern Johann (der Neipler Emil auf dem Schoss hält) und Anna Grohs; Fotoarchiv: Edith Spaniol

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Peter Adam vermerkt in der Ortschronik, der Neipeler sei schwer verwundet worden bei einem Sturmangriff bei Het Sas (Ypern, Belgien) und darauf hin gestorben im Lazarett bei Thouront (der Ortsname könnte in der Ortschronik auch wie „Thorout“ gelesen werden). Als Todesdatum hält er ebenfalls den 2. Mai 1915 fest.

Johann Grohs als Gymnasiast; Fotoarchiv: Edith Spaniol

Johann Grohs, Fotoarchiv: Hans Grohs (Neipler Hans)

Johann Grohs, Fotoarchiv: Hans Grohs (Neipler Hans)

Ernst Schmitt überliefert in: „Lebacher Gefallene“, Johann Grohs habe im Königlich-Preußischen Reserve-Infanterie-Regiment (RIR) 213 (dort im Maschinengewehr-Zug 35) gedient.

Benachrichtigung über die Verwundung, Fotoarchiv: Edith Spaniol

Die Abschrift der Benachrichtigung über die Verwundung ist hier (einfach anklicken) nachzulesen.

Der Volksbund weist keine Grablage nach.

Allerdings ist Johann Grohs in den Verlustlisten seines Regimentes erfasst. Dort wird als Todesort „Thourout“ genannt (verwundet am 22.04.1915 bei Het Sas).

Peter Adam hat die Todesnachrichten an die Eltern festgehalten (Ortschronik, S. 176f):

Den Heldentod für König und Vaterland starb der Einjährig-Freiwillige Gefr. Johann Grohs von hier im Lazarett zu Thourout infolge einer Verletzung durch einen Granatschuss bei einem Sturmangriff bei Ype(r)n (Het Sas) im jugendlichen hoffnungsvollen Alter von 18 Jahren (geb. am 1. April 1897). Derselbe war von unserem Herrn Pastor Pfeifer durch Privatunterricht fürs Gymnasium vorbereitet worden und 1913 auf Obersekunda in St. Wendel aufgenommen worden. Bei Ausbruch des Krieges meldete er sich freiwillig zur Maschinengewehrabt. Nach erfolgter Ausbildung kam er nach Belgien. Über seinen Heldentod gibt uns ein Brief des Lazarettpfarrers von Thourout, 2. Mai 1915, Aufschluss. Derselbe lautet wörtlich:

Thourout, 2. Mai 1915

Sehr geehrter Herr Grohs und Familie!

Wie Sie bereits vernommen haben, ist Ihr lieber Sohn Johann in der vergangenen Nacht seinen Wunden erlegen. Ich spreche Ihnen mein tief gefühltes Beileid aus. Der arme Bursche wurde mit schweren Granatwunden am rechten Bein und beiden Armen ins hiesige Kriegslazarett eingeliefert. Der Arzt musste sich bald schon entscheiden, das Bein unterhalb des Knies abzunehmen. Einige Stunden vorher traf ich Ihren Sohn auf seinem Schmerzenslager an. Er hatte schon von der Notwendigkeit der Bein-Amputation gehört, und er bat mich, ihm vorher die hl. Sakramente zu spenden. Ich hörte ihm die Beichte, und mit rührender Andacht hat er dann die hl. Kommunion empfangen und sein Schicksal in die Hand des göttlichen Heilands gelegt. Dann empfing er die hl. Ölung und Generalabsolution. Anfangs hoffte er noch auf Genesung, und er klagte mir sein größtes Leid: ‚Ich wollte auch gern Priester werden, das soll wohl nicht mehr angehen können, wenn der Fuß mir abgenommen ist.“ Ich beruhigte ihn, dass das trotzdem noch geschehen könne. Nach der Amputation des Beines lag er still auf seinem Lager, das hohe Fieber wollte nicht weichen. Am folgenden Tag schwanden sichtlich seine Kräfte. Er hatte sich ganz in Gottes hl. Willen ergeben und dem lieben Gott sein junges Leben als Opfer angeboten. Gott hat das Opfer angenommen. In der folgenden Nacht ist er ganz ruhig ins bessere Jenseits hinüber gegangen.

Mein lieber Herr Grohs! Johann hat das Ziel erreicht, das wir alle zu erreichen wünschen und hoffen. Wäre er auch hundert Jahre alt geworden, eines schöneren Todes hätte er wohl nicht sterben können. Das möge Ihr Trost sein in dem nur zu begreiflichen Kummer um den Verlust Ihres braven Sohnes. Er ist als Held gestorben und empfängt vom gerechten Vergelter Heldenlohn. Können wir ihn da bedauern!

Morgen Nachmittag um 4 Uhr werde ich seinen zerschossenen Leib zur letzten Ruhe bestatten. Eine Ehren-Kompanie wird ihn zu Grabe geleiten. Er wird auf dem hiesigen Friedhof an der Seite seiner ihm vorangegangenen Kameraden seine Ruhestätte finden. Die Gräber werden schön verziert und mit einem Kreuz, das den Namen des Verstorbenen trägt, geschmückt. Die hinterlassenen Sachen des l. Verstorbenen werden Ihnen durch das Büro des Kriegslazaretts zur Zeit zugeschickt werden.

Möge Gott Ihnen allen Kraft geben, das schwere Kreuz, das Ihnen auferlegt ist, mit christlicher Ergebung zu tragen.

Mit dem Versprechen, des lieben Verstorbenen bei der hl. Messe zu gedenken,

Ihr ergebenster, gez. Homvet, Lazarettpfarrer

Ein Kamerad am ursprünglichen Grab, Fotoarchiv: Edith Spaniol

Zum kriegsgeschichtlichen Hintergrund: Im April und Mai 1915 fand die 2. Flandernschlacht statt. Am Tag, als Johann Grohs schwer verwundet wurde (22. April), setzte die deutsche Armee in Flandern erstmals Giftgas ein – mit bestialischen Folgen für die dem Giftgas ausgesetzten französischen Soldaten. Die 2. Flandernoffensive war für die deutsche Armee ein Fehlschlag – mit unglaublich hohen Verlusten auf beiden Seiten. Sie ging in die Geschichte ein als „Studentenschlacht“; viele Schüler und Studenten gingen völlig unzureichend ausgebildet und ausgerüstet als Kriegsfreiwillige in den grausigen Stellungskrieg.

Die endgültige Grablage in Hooglede nordwestlich von Roeselare in Flandern, Bruder Alois besucht das Grab 1933, Fotoarchiv: Edith Spaniol

Das Grab von Johann Grohs befindet sich laut Notizen auf dem oben abgedruckten Foto in Hooglede nordwestlich von Roeselare in Flandern (Belgien).

Im September 2010 erhielten wir einen bewegenden Brief aus Flandern, in dem über die ursprüngliche  Grablage in Torhout gesprochen wird.

Ein Gedanke zu „Johann Grohs

  1. Johann Gross ist in der Gräberdatenbank des Volksbundes erfasst, allerdings leider (wie so häufig) fehlerhaft. Er ist zu finden unter dem Namen Johann Gross, Todesdatum 02.05.1915.
    Grablage: Kriegsgräberstätte Hoogleede, Grab 8201

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