Hermann Münzel

Dieter Gräbner (Saarbrücker Zeitung) verfasste am 1. April 2006 einen Nachruf auf Pastor Hermann Münzel unter dem Titel: „Ein Rebell mit Herz“.

Ich zitiere: „Hermann Münzel wurde am 9. April 1935 in Koblenz als vierter von sechs Brüdern geboren. Sein Elternhaus ’sei fromm, aber nie autoritätsgläubig gewesen’, vertraute er einem Reporter des ‚Trierischen Volksfreundes’ an, der ihn sechs Wochen vor seinem Tod, als er schon von einer unheilbaren Krebskrankheit gezeichnet war, besuchte.

Der ’Kirchenrebell’ studierte in Trier und Innsbruck, wurde 1960 zum Priester geweiht, 1961 Kaplan in Bad Kreuznach und 1965 Kaplan in der Christkönig-Gemeinde in Saarbrücken und Religionslehrer am Realgymnasium in Lebach. Er wird als ein Lehrer beschrieben, der seine Meinung sagte und kein Thema ausklammerte. Einer wie ihn brauchen Jugendliche. Seine Beliebtheit und sein Ruf als charismatischer Priester, der auch Tabu-Themen in seinen Predigten aufgriff, das machte ihn bei den Oberen im Bistum Trier  ’verdächtig’.“

Pastor Hermann Münzel (1965-1966)

Pastor Hermann Münzel, Subsidiar in Niedersaubach 1965-1966, Foto: Erhard Bertel, Pfarrer i. R., Saarbrücken

Hermann Münzel lebte in unserem Dorf zwischen 1965 und 1966, als er Religionslehrer am RG Lebach war. Von seinen Messdienern weiß ich, dass er wegen seines offenen Umgangs mit der Jugend unseres Dorfes sehr beliebt war.

Seinen Namen als Kirchenrebell leitete sich nicht zuletzt daher ab, dass er Mitbegründer und später Herausgeber der Zeitschrift „imprimatur“ (auf Deutsch: Es darf gedruckt werden; ein Label, das die katholische Kirche früher vergab, wenn sie mit der Veröffentlichung von Schriftstücken einverstanden war; das Gegenteil ist „Zensur“). „imprimatur“ setzte sich äußerst herausfordernd in der Tradition des 2. Vatikanischen Konzils mit den nicht mehr zeitgemäßen Verkrustungen in der katholischen Amtskirche auseinander. Dafür hat Pastor Münzel von seinen kirchlichen Vorgesetzten viel „Prügel“ bezogen. Der Höhepunkt der Auseinandersetzung war, als er 2002 auf dem Katholikentag in Hamburg mit Geistlichen anderer Konfessionen eine gemeinsame Messe zelebrierte. Der Trierer Bischof Spital suspendierte ihn daraufhin vorübergehend von seinem Priesteramt. Erst als er, für ihn sehr demütigend, vor dem Trierer Priesterkollegium wie ehedem Galileo Galilei abschwor, wurde er wieder in sein Priesteramt eingesetzt. Dieses Priesteramt übte er zuletzt in Rascheid (Hermeskeil) aus, wo er von der örtlichen Jugend wegen seines Engagements für die Jugend sehr geliebt wurde.

Am 9. März 2006 verstarb Hermann Münzel in Trier nach einem schweren Krebsleiden. An seiner Beerdigungsfeier am 14. März 2006 in Trier nahmen über 900 tief betrübte Trauergäste teil. Pastor Münzel hat bei seinen Weggefährten einen lebendigen Eindruck hinterlassen. Man sagt, er habe das Christentum wirklich gelebt.

Pfarrer Erhard Bertel (ehedem Dechant von St. Michael in Saarbrücken, Mitherausgeber des imprimatur) hat mir einige Dokumente überlassen, welche das Lebenswerk von Pastor Hermann Münzel bezeugen.

Das ist einmal der Nachruf (hier anklicken, um zum Dokument zu kommen), den Pfarrer Bertel für den Paulinus verfasst hatte. Und eine Sonderseite des imprimatur (hier anklicken, um zum Dokument zu gelangen) widmete sich ausführlich dem Lebenswerk von Pastor Hermann Münzel, der schon mit 70 Jahren, allerdings vollkommen hoffnungsvoll, sterben musste.

Dem Trierer Volksfreund hatte er noch kurz vor seinem Tod ein Interview gegeben (hier anklicken, um zum Zeitungsartikel zu gelangen).

Ich selber habe (als er in Niedersaubach lebte, war ich 7 Jahre alt) leider nur noch blasse Erinnerungen an diesen großen Mann.

Lothar Schmidt

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