Hermann Ludwig Meiser

Erinnerungen an St. Antonius Niedersaubach von Hermann Ludwig Meiser, Pfarrer i. R.

1972 beauftragte mich Bischof Dr. Bernhard Stein als Religionslehrer am Staatlichen Realgymnasium in Lebach. Gleichzeitig ernannte er mich auf meinen Wunsch hin zum Subsidiar von Lebach St. Antonius und zur Übernahme von Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen in Primsweiler.

Ich war sehr angetan von dem schönen Haus in Niedersaubach, das ich bewohnen durfte – Priesterhaus nannten es die Leute. Willi Riehm, damals Direktor der Zigarettenfabrik Jyldis in Saarlouis, war mir sehr behilflich beim Einleben in die Gemeinde. Auch empfahl er mir Frau Helga Heinrich als Haushaltshilfe, die mir dann auch 16 Jahre hindurch eine hervorragende Helferin für Haus und Hof war.

Hermann Ludwig Meiser, Pfarrer i. R.

Hermann Ludwig Meiser, Pfarrer i. R.

Die Situation in Schule und Pfarrei war damals nicht einfach für einen jungen, unerfahrenen Kaplan. Wurde ich doch mitten im Schuljahr im März 1972 mit dem Religionsunterricht in allen Klassen von Religionslehrer Gerd Schnorrenberger – also von 1 bis 13 – beauftragt. Mein Vorgänger am Realgymnasium verließ die Schule, weil er das geistliche Amt aufgab. Auch mein Vorgänger in St. Antonius verließ die Gemeinde, weil er ebenfalls das Priesteramt aufgab. Die Gemeinde in St. Antonius war gespalten. Die älteren Leute, die lange von Dr. Adams geprägt waren, und die jungen Leute, die von den jungen Priestern stark beeinflusst waren, die das geistliche Amt aufgaben und zeitweise in Niedersaubach wohnten. Natürlich spielte der Umbruch der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil und in der Gesellschaft nach den 68ern eine große Rolle. Die Leute waren mir gegenüber zunächst sehr reserviert. Auch Dechant Dr. Quirin wollte zuerst nicht viel vom neuen Religionslehrer wissen. Aber allmählich löste sich die Skepsis, und es begann eine lange Zeit des guten, und wie ich denke, fruchtbaren Miteinanders.

Im Oktober 1972 kam als neuer Pastor Thilmann Haag nach Lebach, nachdem Dechant Dr. Quirin so plötzlich verstarb. Als Subsidiar von Lebach St. Antonius war ich jetzt Pfarrer Haag zugeordnet, mit dem es eine gute Zusammenarbeit gab.

Ich erinnere mich noch gut an die erste Vorbereitung der Kommunionkinder (18), bei der ich im damaligen Lehrer Schwarz einen guten Helfer hatte. Zu der Zeit gab es noch eine Grundschule in Niedersaubach. Auch die ersten Versuche, mit Jugendlichen der Gemeinde ins Gespräch zu kommen, sind mir noch in guter Erinnerung. Leider konnte ich diese Arbeit nicht intensiv fortsetzen, weil ich auch für die Schulseelsorge verantwortlich war und die eingeschlafene KSJ-Arbeit am Gymnasium wiederbelebte. Über 100 Jungen und Mädchen waren zu meiner Zeit in der KSJ in Gruppen tätig.

erster Weißer Sonntag in Antoniuskapelle 1973, Foto: Jakob Britz

erster Weißer Sonntag in Antoniuskapelle 1973, Foto: Jakob Britz

Gerne erinnere ich mich an Feste und Hochfeste im Kirchenjahr in St. Antonius. Die Mitternachtsmette in St. Antonius wurde lange Zeit von den KSJlern mitgestaltet und fand großen Anklang. Auch die Gestaltung der Karwoche mit den Jugendlichen des Gymnasiums ist mir in guter Erinnerung. Es war eine fruchtbare Verzahnung zwischen Schule und Gemeinde. Der gemischte Chor in Niedersaubach war immer bereit, die Hochfeste des Kirchenjahres mitzugestalten, zur großen Freude der Gemeinde. Auch unsere Wallfahrten nach Höchsten wurden von der Gemeinde gut angenommen.

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Anstieg beim Greinhof auf neuem Nordring, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Anstieg beim Greinhof auf neuem Nordring, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Pastor Meiser predigt, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Pastor Meiser predigt, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Rast an Einbach-Wald, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Rast an Einbach-Wald, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Rast an Eibach-Wald, Frauengemeinschaft wie immer aktiv, Foto: Jakob Britz

Mai-Wallfahrt nach Höchsten, Rast an Eibach-Wald, Frauengemeinschaft wie immer aktiv, Foto: Jakob Britz

Neben der Seelsorge an den Menschen in St. Antonius lag mir auch das Gotteshaus am Herzen. Die St. Antonius-Kirche war durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen und in einem weniger guten Zustand. Dach und Heizung waren desolat. Das Innere der Kirche in bescheidenem Zustand. Ich sprach mit Pfarrer Haag über eine Renovierung, doch er erklärte mir, dass kein Geld vorhanden sei und die Pfarrkirche ja auch renovierungsbedürftig sei. Ich erinnere mich noch gut, dass ich ihm folgenden Vorschlag machte: Die Pfarrgemeinde Lebach bekommt kein Geld mehr von der Filialkirche St. Antonius und überlässt mir die gesamte kommende Renovierung und Restaurierung. Er ging auf diesen Vorschlag ein.

alter Altar nach Renovierung von 1959 vor Umgestaltung 1979, Foto: Jakob Britz

alter Altar nach Renovierung von 1959 vor Umgestaltung 1979, Foto: Jakob Britz

Antoniuskapelle, Chorraum 1979, Foto: Jakob Britz

Antoniuskapelle, Chorraum 1979, Foto: Jakob Britz

Da ich im ersten Beruf Bankkaufmann war, hatte ich Erfahrung mit Bauen und Finanzieren. Der Schornsteinfeger Theo Klauck war damals als Vertreter von St. Antonius im Verwaltungsrat in Lebach. Mit ihm und Willi Riehm setzte ich mich zusammen, um über die ersten Schritte der Renovierung und damit auch der Geldbeschaffung zu beraten. Klar war, dass zuerst die Bau erhaltenden Maßnahmen – Dach und Heizung – in Angriff zu nehmen seien; später dann die Renovierung im Inneren und die Neugestaltung des Altarraumes. Zu dieser Zeit hatten wir eine sehr tüchtige Frauengemeinschaft mit Anneliese Schäfer an der Spitze. Frau Schäfer mit ihrem Vorstand ließen sich von der Notwendigkeit der Renovierung der Antonius-Kirche überzeugen. Die erste „Geldbeschaffungsmaßnahme“ sollte ein großes Kapellenfest werden mit Festcommers, Programm und natürlich mit einem großen Zelt. Alle Vereine des Dorfes, auch der Ortsvorsteher Edmund Bohlen, machten mit. Es gab zunächst eine Geld- und „Materialiensammlung“ im Dorf. Die Bauern stifteten Schweine und ein Rind, und alles wurde für das Fest zubereitet. Fast alle Frauen im Dorf waren mit Kuchenbacken beschäftigt. Für das Fest wurden mengenweise Kartoffelsalat und grüner Salat bereitet. Drei Tage lang war das Festzelt voll mit Besuchern. Am Ende hatten wir durch Sammlung und Festveranstaltung 50.000 DM für die Kirche – ein Riesenerfolg! Der Anfang war gemacht. Die Heizungskanäle in der Kirche wurden zum Beispiel in Eigenleistung gezogen und mit selbstgefertigten Betonplatten versehen. Diesem ersten großen Kapellenfest folgten andere. Darüber hinaus ließen wir  „Antonius-Kacheln“ bei V&B brennen, die die Frauen aus der Gemeinde in den umliegenden Dörfern als Bausteine verkauften. Es kam viel Geld zusammen. Vor allem hat die Frauengemeinschaft jahrelang Weihnachtsbasare mit herrlichen Handarbeiten, Bauernmalerei, Gebäck u. ä. veranstaltet und viel Geld für die Renovierung erarbeitet. Schließlich konnten wir die Kirche innen und außen renovieren, ohne je ein Pfennig Darlehen aufzunehmen. Es waren über 200.000 DM; wir alle waren mächtig stolz über das gelungene Werk. Es fehlte in der Kirche ein ansprechendes Kreuz. Über einen Freund konnte ich ein altes Kreuz aus dem 14. Jahrhundert erwerben, das heute in der Apsis der Kirche hängt.

Nachdem die Grundschule aufgelöst war und leer stand, kam die Idee auf, sie umzugestalten und als Begegnungszentrum für die Gemeinde zu nutzen. Schnell war auch der Name für die neue Einrichtung gefunden: Antonius-Zentrum. Nach dem gleichen Muster wie bei der Renovierung der Kirche wurde die Umgestaltung der Schule durch Feste und Basare finanziert. Hier hatten wir große Unterstützung durch den Ortsbürgermeister Edmund Bohlen und die Vereine. Auch dieses Werk wurde ohne Fremdfinanzierung bewerkstelligt. Hier kann man ablesen, was eine Dorfgemeinschaft leisten kann, wenn sie zusammensteht, motiviert ist und Verantwortung übernimmt.


Nachtrag von Lothar Schmidt:

Pastor Meiser verließ Niedersaubach im Februar 1988, um die katholische Pfarrgemeinde Liebfrauen in Bitburg zu übernehmen. Dort beging er auch 2008 sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Im gleichen Jahr trat er im Alter von 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand, den er nun in Trier verlebt. Wir wünschen ihm „auf seinem Trierer Alterssitz“ noch viele gute Jahre im Kreis von guten Freunden.

Erinnern möchten wir auch daran, dass Pastor Meiser mit der Lebacherin Monika Hoffeld zusammen die Kinderhilfe Chillan ins Leben gerufen hat und weiterhin aktiv begleitet.

Und:

Arnold Schäfer (Bambachs) hat uns den Pfarrbrief vom 30. Januar 1988 übergeben, in dem sich Pastor Meiser von seiner Gemeinde verabschiedet.

 

Lebacher Pfarrbrief vom 30. Januar 1988 zur Verabschiedung von Pastor Hermann Ludwig Meiser; Archiv: Arnold Schäfer (Bambachs)

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