Die Saubacher „Mill“

Am 17.5.1941 verstarb auf dem Bahnhof zu Primsweiler Peter Engel, Müller in Niedersaubach. Seine Witwe Angelika konnte mit den noch minderjährigen Kindern den Mühlenbetrieb nicht weiterführen.

Das alte Mühlenhaus, Zum Wiesengrund 8, ist renoviert worden, sodass heute nichts mehr an die Nutzung als Mühle erinnert. Früher führte der Mühlengraben das Wasser vom Mühlenwehr zur linken Giebelseite des Hauses, wo es von oben auf das Mühlrad herabstürzte (Oberwasser) und so die Mühle antrieb, bevor es wieder in den Saubach zurückgeleitet wurde.

Am „Wehrchen“, hinter „Lepsen“, Antoniusstr. 16, war ein beliebter Treffpunkt der Dorfjugend; im Sommer war es ein geeigneter Platz zum Baden und Fischen.

Das Innere des Mühlenhauses war quergeteilt: die vorderen Räume des Erdgeschosses gehörten zur Wohnung des Müllers, in der hinteren Hälfte war die Mühle untergebracht. Die kleine Saubacher Mühle arbeitete hauptsächlich für die örtliche Kundschaft. Im Sommer musste das Wehr den Bach oft lange anstauen, bis genügend Wasser für einen Mahlgang angesammelt war. Seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts unterstützte ein elektrischer Motor das Mühlrad.

Im 1. Weltkrieg waren zur Überwachung des Mehl- und Brotverbrauchs Mehlkarten eingeführt worden. Lehrer Adam notierte 1915 in der Ortschronik (S. 179): Die Selbsterzeuger „erhalten Mehlkarten. Durch diese sind sie berechtigt, ihren monatlichen Bedarf bei dem Müller mahlen zu lassen. Das Interessanteste ist, dass der hiesige Müller wohl Frucht mahlen, aber kein Mehl an die Brot- und Mehlkarteninhaber verkaufen darf. Wollte er auch Mehl an seine Kundschaft verkaufen, so müsste er erst Mehl im Kreislager (W. Engel, Lebach) aufkaufen und ohne Gewinn verkaufen“.

Die älteste Erwähnung einer Mühle in Niedersaubach verdanken wir einem Streit der Herren der Vierherrschaft um die Abgaben aus der Saubacher Mühle. 1721 hatte der Kurfürst von Trier „dem Mathesen Warcken zu Saubach“ erlaubt „auf kurfürstlichem Schafftgut“ ein Mahlmühle zu bauen. Um den Mühlenzins entstand Streit. Der trierische Kurfürst beanspruchte ihn ganz für sich, während die übrigen drei Herren ihren Anteil einforderten. Der Streit führte 1727 vor das gemeinsame Hochgericht in Lebach. Eine Entscheidung des Gerichts ist nicht erhalten. Es geht aus den Akten auch nicht eindeutig hervor, ob die Mühle des Mathesen Warcken je den Betrieb aufnehmen konnte. In der zweiten Hälfte des 18Jh. heirateten seine Enkel Georg und Jakob Warcken nach Eppelborn. Georg übernahm die Mühle in Calmesweiler, Jakob die Bannmühle bei Eppelborn (Dernsche Mühle).

Vor 1721 wurden am Saubach eine Loh- und eine Schleifmühle betrieben. In einem Bericht an den Kurfürsten von Trier heißt es: „Mithin ist letztlich hierbei gnädigst zu reflectieren, dass seine kurfürstliche Durchlaucht, unser gnädigster Herr, wirklich von langen Jahren her in nämlichem Bächlein, woran Mathes Warcken die Mühle angefangen zu bauen, von einer Lohmühle ohne comparticipation der übrigen Mitherren jährlich pro Canone actualiter sechs Albus und noch von einer Schleifmühle, so Caspar Groß inne hat, auf ermeltem Bächlein ein Cappen ziehen.“

Im Jahre 1825 übersiedelten die Eheleute Peter Eckert und Barbara, geb. Holzer mit ihrem Sohn Peter nach Niedersaubach, wo sie hinfort eine Mühle betrieben. Peter Eckert stammte aus einer Müllerfamilie, die die Lochmühle bei Hierscheid betrieb. Alte Fotos des Saubacher Mühlenhauses zeigen die Hausfront noch unverkleidet. Ein Bild zeigt die Inschrift des Türsturzes schon teilweise verwittert. Die Ziffern und Buchstaben sind nicht mehr mit Sicherheit zu identifizieren. Mit einiger Wahrscheinlichkeit lassen sie sich deuten als 1827 EP – BS (oder BH), EP steht für Eckert Peter (Vater oder Sohn), BS für Barbara Schäfer (Ehefrau des Eckert Peter jun.) oder BH Barbara Holzer (Ehefrau des Peter Eckert sen.). Barbara Eckert, Tochter des Peter Ecker jun., heiratete 1852 Wilhelm Engel aus Eiweiler. Von da an blieb die Mühle in Niedersaubach im Besitz der Familie Engel, bis nach dem Tode des Peter Engel (1941) der Mühlenbetrieb eingestellt wurde.

Josef Heinrich

P.S.:

Mein Artikel ist erschienen im Historischen Kalender Lebach 2010 (Achtung: 11 MB).

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