Die gefallenen Söhne unseres Dorfes dürfen nicht vergessen werden

Volkstrauertag mahnt zur Erinnerung – für Frieden und Völkerverständigung in Europa

Erstmalig 1926 beging Deutschland nach den Schrecken des 1. Weltkrieges auf Initiative des Volksbundes den Volkstrauertag.
In unserem Dorf ist die Tradition, der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken, irgendwann nach dem 2. Weltkrieg verloren gegangen.
Im nächsten Jahr, wenn wir 800 Jahre Saubach (1212 – 2012) auf vielfältige Weise feiern wollen, möchten wir die Erinnerung an die jungen Männer unseres Dorfes, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind, wieder aufleben lassen. Wir wollen um sie trauern und ihre Schicksale als Mahnung für Friedenspolitik auf unserem Kontinent verstehen. In die Erinnerung einschließen wollen wir die schrecklichen Umstände in den letzten Kriegstagen 1945, als 2 neugierige Jugendliche in unserem Dorf durch Kriegsgerät bzw. Kriegsmunition getötet wurden, und den mutigen Mann aus der Hold, der 1941 als Gegner des Naziregimes im KZ Dachau umgebracht wurde.
Pastor Meiser wird uns bei der Gedenkfeier in der Antoniuskapelle zur Seite stehen; er hatte dort Ende der 70er Jahre die Namenstafeln erneuert und so für die Bewahrung der Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege Vorsorge getroffen.

Der 18-jährige Offiziersanwärter Günther Engel auf Heimaturlaub in der „Mill“, Fotoarchiv: Adalbert Herrmann (Krone Buwi)

Wir sind dabei, für den Volkstrauertag im nächsten Jahr die Schicksale der Gefallenen aufzuarbeiten. Bei den 16 jungen Männern aus dem 1. Weltkrieg und den 27 jungen Männern aus dem 2. Weltkrieg haben wir zum Teil erstaunliche Dinge herausgefunden. Wir sind selber überrascht, dass es nach so vielen Jahren noch möglich war, die Todesumstände einigermaßen gut nachzuvollziehen und oft genug auch die Grablage mehr oder weniger präzise zu ermitteln. Die Recherche wäre nicht möglich gewesen ohne die Orts- und Schulchronik von unserem ersten Dorfschullehrer, Peter Adam, die Lebacher Familienbücher von Gerhard Storb, den Gräbersuchdienst des Volksbundes in Kassel und das Archiv der Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin.
Ich möchte die Familien unseres Dorfes, aus denen die Gefallenen bzw. Getöteten stammten, bitten, uns – falls noch vorhanden – Briefe, Bilder oder sonstige Dokumente aus den Kriegstagen zur Verfügung zu stellen, um sie in unserer Erinnerungsprojekt einarbeiten zu können. Keiner der jungen Männer soll in Vergessenheit geraten. Das sind wir ihnen schuldig!

Lothar Schmidt, Am Schützenberg 34, Tel.: 91333

P.S.:
Ich möchte einladen, am Beispiel des 18-jährigen Offiziersanwärters Günther Engel aus der „Mill“ nachzuvollziehen, wie sinnlos die Opfer der jungen Soldaten des Flieger-Ersatzbataillons VII in den letzten Kriegstagen gewesen sind. 43 junge Grenadiere dieses Ausbildungsverbandes wurden am 3. April 1945 bei Ibbenbüren im Brumleytal – unzureichend ausgebildet und schlecht ausgerüstet – heillos überlegenen britischen Panzerverbänden entgegengeworfen und ohne jede Chance geopfert. Man denkt unwillkürlich an den Film „Die Brücke“ von Bernhard Wicki aus dem Jahr 1959.

Das Schicksal unseres jungen Mannes aus der „Mill“ ist hier nachzulesen (einfach anklicken).

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