Spur der Steine

Eine Landesgrenze trennte einmal Gresaubach und Niedersaubach-Rümmelbach

Wer wollte es vermuten, aber die Lebacher Stadtteile Gresaubach und Niedersaubach-Rümmelbach gehörten einmal zu ganz unterschiedlichen Herrschaftsgebieten; sie lebten in verschiedenen Welten.

Gresaubach war über die Jahrhunderte lothringisch, und als 1766 Lothringen französisch wurde, wurden auch die Gresaubacher Untertanen des französischen Königs.

Die Niedersaubacher und Rümmelbacher dagegen, die Teil der Vierherrschaft Lebach waren, gehörten zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und waren damit Untertanen des deutschen Kaisers.

1787 wollten die Franzosen ihre Herrschaftsgebiete arrondieren; sie tauschten deshalb unterelsässische Gebiete gegen Territorien des Verwaltungsamtes Schaumburg (Tholey), wozu auch Gresaubach, Steinbach und Exweiler gehörten, mit der Grafschaft Pfalz-Zweibrücken; und die Pfälzer hatten nach dem Gebietstausch das Bedürfnis, ihre neuen Ländereien gegenüber dem deutschen Kaiserreich abzugrenzen. Deshalb stellten sie zwischen 1789 und 1791 entlang der Landesgrenze Grenzsteine auf; nicht zuletzt der Erzbergbau (Stichwort: Lebacher Eier) motivierte die Schaffung von klaren Grenzverhältnissen. Diese Landesgrenze zwischen Gresaubach und Rümmelbach verlief in etwa dort, wo heute die Nordumgehung von Rümmelbach nach Steinbach verläuft. Dass nach der französischen Revolution mit dem Einmarsch der republikanischen Revolutionsarmee in den linksrheinischen deutschen Gebieten 1793 diese Grenzziehung Makulatur wurde (wir wurden hier jetzt alle Bürger Frankreichs), ist ein Treppenwitz der europäischen Geschichte.

Prof. Maria Besse und Thomas Besse (Riegelsberg), Johannes Naumann (Thalexweiler) und Christof Kirsch (Steinbach) haben den Grenzzug, der einmal von Bettingen über Gresaubach, Steinbach, Exweiler Aschbach bis Calmesweiler verlief, untersucht und viele der verloren geglaubten Grenzsteine wiedergefunden. Zwischen Gresaubach und Rümmelbach stehen sie im Saumwald „Gehemm“ über den Steinberg bis nach Höchsten. Im Sommer noch werden sie uns eine Grenzsteinwanderung anbieten, um die alten „Grenzwächter“ zu besuchen.

Grenzstein_Besse

Rudi Oster (Rümmelbach), Christof Kirsch (Steinbach) und Thomas Besse (Riegelsberg) geben dem 1791er Grenzstein auf dem Rümmelbacher Dorfplatz ein neuen Standplatz – vielleicht für die nächsten 200 Jahre, Foto: Besse

Am 28. März dieses Jahres nun haben sie mit Hilfe von Rudi Oster und dessen Traktorkraft den Grenzstein Nr. 38, den ein Rümmelbacher Bürger beim Bau der Nordumgehung geborgen hatte, auf dem Rümmelbacher Dorfplatz aufgestellt. Er soll noch mit einer Infotafel versehen werden, welche die Geschichte dieser Grenzsteine erzählt und die Zeichen deutet: Auf der einen (südlichen) Seite steht „4HL“ (Vierherrschaft Lebach), auf der anderen (nördlichen) stand „GB“ (Gresaubach) und die Wittelsbacher Raute (das Wappen der Grafen von Pfalz-Zweibrücken, die als spätere bayerische Könige diese Raute zum bayerischen Staatswappen machten; die Gravur ist leider verschwunden, soll aber wiederbelebt werden.

1791 ist als Jahr der Errichtung festgehalten, Foto: Besse

1791 ist als Jahr der Errichtung festgehalten, Foto: Besse

Hier findet man alle Informationen über die steinernen Grenzwächter zwischen Gresaubach und Rümmelbach (einfach anklicken), veröffentlicht in: Grenzsteine 1791_1_RB_Gresaubach_Unsere_Heimt_3_2013_S_89-99.pdf

Lothar Schmidt

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