Gymnasiast aus Niedersaubach – Johann Grohs

Gerade 18 geworden – und wenige Tage später geopfert für Kaiser, Volk und Vaterland

Johann Grohs besuchte das Königliche Gymnasium in St. Wendel (heute: Wendalinum), als am 1. August 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Der Niedersaubacher wollte eigentlich wie sein Bruder Nikolaus Priester werden. Erst an Ostern 1914 hatte er die Reifeprüfung zur Aufnahme in die Obersekunda bestanden.

Gefreiter Johann Grohs, RIR 213, MGA 35, Archiv: Edith Spaniol

Gefreiter Johann Grohs, RIR 213, MGA 35, Archiv: Edith Spaniol

Wie alle seine Mitschüler meldete sich der 17-jährige Niedersaubacher als Einjähriger Freiwilliger an die Front, nachdem die Eltern dem Minderjährigen nachgegeben hatten (er war der dritte Sohn von sieben; die ganze Familie, in Niedersaubach wegen der zugezogenen Mutter aus Neipel auch die Neipler genannt, hatte 7 Söhne und 4 Töchter). Er meldete sich am 4. September 1914 in Metz bei der Fußartillerie; weil er sich aber nicht ausweisen konnte, wurde er zunächst abgewiesen; am nächsten Tag wurde er in Saarlouis überglücklich bei der Maschinen-Gewehr-Kompanie des Infanterieregiments 30 angenommen; er war ein großer, kräftiger, schöner Junge, wie sein Bruder Nikolaus schreibt. Mit seinen 1,88 m überragte er alle seine Kameraden. Er war mit vielen Bekannten aus Lebach und St. Wendel zusammen, sodass er sich während der Grundausbildung, die zum Teil auch bei Berlin stattfand, sehr wohl fühlte. Von seinem Dorf verabschiedete er sich anlässlich seines letzten Heimaturlaubes am 18. November 1914 auf Nimmerwiedersehen.
Am 23. Dezember rückte seine Kompanie ins Feld; es ging an den Yser-Kanal nach Flandern in Belgien. Dort erlebte er die Härten des Winterfeldzugs 1914/ 1915, die nicht nur bei ihm zur großen Ernüchterung führte. Die Stellungen seiner Einheit befanden sich fast den ganzen Winter hindurch bei Bixchote. Die erbarmungslose Kälte und durchdringende Nässe in den Schützengräben müssen unerträglich gewesen sein. Und der Tod war ein allgegenwärtiger Begleiter – bei Freund und Feind. Am 1. April 1915 feierte er an der Front seinen 18. Geburtstag. Noch einmal würde er sich nicht freiwillig in diesen Weltuntergang hinein melden, schreibt er an seinen Bruder.
Am 22. April 1915 begann die Oberste Heeresleitung die 2. Flandern- bzw. Ypern-Schlacht. Die deutsche Armee setzte erstmals Giftgas ein, und die Folgen waren für die französischen Soldaten bestialisch; sie erstickten grausam an den die Lungen zersetzenden Gasen. Bei einem Sturmangriff am gleichen Tag bei Het-Sas wurde Johann Grohs durch einen Granatsplitter schwer verwundet. Seine beiden Arme und Beine und die rechte Schulter wurden schwer getroffen. Nachdem er 2 Stunden lang unversorgt auf dem Schlachtfeld unter qualvollen Schmerzen gelegen hatte, wurde er in einer Feuerpause von seinen Kameraden in ein Notlazarett gebracht, das in einer Schule in Torhout behelfsmäßig eingerichtet worden war. Weil es nach wenigen Tagen zur Blutvergiftung kam (es gab noch kein Antibiotikum), musste sein rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert werden. Aber die Blutvergiftung war damit nicht mehr einzudämmen. Am 2. Mai 1915 verstarb er. Seine quälende Sorge blieb bis zur Todesnacht, ob er ohne Beine noch Priester werden könne.

Torhouter Schulhof im 1. Weltkrieg; Fotoarchiv: Chris Spriet

Torhouter Schulhof im 1. Weltkrieg; Fotoarchiv: Chris Spriet

Die Gemeinde Torhout hat sich bereits 2012 eingehender mit diesem Niedersaubacher Jungen befasst. Ein mittlerweile pensionierter Lehrer namens Chris Spriet, der über viele Jahre an der Schule unterrichtet hatte, in der Johann Grohs verstarb und auf deren Schulhof er auch zunächst beerdigt lag, ist zufällig auf die Internetseite: www.unser-niedersaubach.de gestoßen. Dort studierte er die traurige Geschichte dieses jungen Mannes, der sterben musste, bevor sein Leben richtig begonnen hatte.
Am 2. Mai dieses Jahres, am 100. Todestag von Johann Grohs, wird eine Besuchergruppe aus Niedersaubach nach Torhout fahren. Sie ist eingeladen, an einer Gedenkfeier teilzunehmen, welche die Gemeinde Torhout für Johann Grohs ausrichtet. Begleitet werden die Niedersaubacher von einer hochrangigen Delegation des Volksbundes Saar. In Torhout wird Lothar Schmidt im Namen des Niedersaubacher Kultur- und Heimatvereins für Johann Grohs eine Gedenkrede halten. Und Roman Herrmann aus Gresaubach wird mitfahren, um auf seiner Trompete das Lied der deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs zu spielen: „Ich hatt’ einen Kameraden.“ Und die Europahymne „Alle Menschen werden Brüder … .“ Und die Parole wird nun lauten: „Nie wieder Krieg!“

Lothar Schmidt

P.S.:

Wir hatten schon einige Beiträge über Johann Grohs und den wundersamen Kontakt mit Chris Spriet in Torhout (Belgien, Flandern) geschrieben.

Kriegstagebuch eines 17-Jährigen

Johann Grohs

Eine wirklich bewegende Geschichte aus Flandern

Nun haben wir von Arnold Schäfer (Bambachs) den 2. Teil der Kriegserinnerungen zur Veröffentlichung bekommen, welche der ältere Bruder von Johann Grohs, Nikolaus Grohs (langjähriger Priester in Losheim) für die Eltern aufgezeichnet hatte.

Und Walter Nimmesgern hat wieder dankenswerterweise die Transkription aus dem Sütterlin ins „Lateinische“ übernommen.

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