Weihnachtsgruß anno 1959

Nikolaus Gross (Neipler Nickel) schreibt an Elisabeth Thewes (Schneidersch Lisa)

Am 17. Dezember 1959 sendete Pastor Nikolaus Gross (Neipler Nickel) besondere Weihnachtsgrüße nach Wien zu Elisabeth Thewes (geboren 1877 in Niedersaubach als Tochter von Anna und Peter Thewes, Hausname: Schneidersch/ gestorben 1966 im Kloster Mauer bei Wien).

Elisabeth Thewes lebte zuletzt als Oberin der Redemptoristinnen in Wien und pflegte über viele Jahre einen regen Briefwechsel mit der alten Heimat, die sie wegen der strengen Ordensregeln nicht wiedersehen sollte. Bereits 1904 verließ sie Niedersaubach, um in Belgien ins Kloster einzutreten.

Über Elisabeth Thewes, die als Ordensfrau den Namen Maria Alfonsina trug, hatte die SZ schon einige Berichte veröffentlicht. Im Mittelpunkt stand dabei ein Buch, das der Püttlinger Ernst Kohr über den Köllertaler Heimatkundlichen Verein  2006 veröffentlicht hatte.

 

Bereits im November 2002 berichtet Ernst Kohr in der SZ über die interessante Ordensfrau aus Niedersaubach.

Pastor Nikolaus Gross (* 1893 in Neipel/ + 1981 in Losheim) ist zwar in Neipel zur Welt gekommen (seine Mutter stammte aus Neipel); tatsächlich ist er aber in Niedersaubach aufgewachsen. Von seiner Mutter her hat die Familie Gross in Niedersaubach den Hausnamen „Neipler“ erhalten.

Eine große Heimatliebe hatte ihn zeit seines Lebens, das er später in Losheim als Dechant verbrachte, mit dem Dorf seiner Kindheit und Jugend verbunden.

Nikolaus Gross, dem wir einen noch ausführlicheren Artikel widmen werden, hatte vermutlich schon länger Briefkontakt mit Schwester Maria Alfonsina (Elisabeth Thewes) gepflegt; sie selber hatte den Briefkontakt mit der alten Heimat nie abreißen lassen. Überhaupt hatte er sich nämlich mit den Ordensleuten beschäftigt, die nachweislich aus Niedersaubach stammten.

Elisabeth Thewes, die 16 Jahre älter als Nikolaus Gross war, verließ Niedersaubach 1904 auf Nimmerwiedersehen. Vermutlich hatte man sich wegen des großen Altersunterschiedes in Kinder- und Jugendjahren nicht sehr gut gekannt. Auffällig ist allerdings, wie vertraut sich „Neipler Nickel“ und „Schneidersch Lisa“ in ihren herzlichen Briefen ansprechen.

1959 nun schickte Pastor Gross (der 1938 die Pfarrei Losheim übernahm und bis zu seinem Tod 1981 betreute) an die Niedersaubacher Nonne in Wien ein Fotoalbum, der er – begleitet von seinem Bruder Alois Gross, damals Eppelborner Amtsvorsteher und Vater von Edith Spaniol, die uns die hier benutzten Dokumente überlassen hat – von einem Fotografen (der wahrscheinlich Alois Gross war) unser Dorf aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zeigen ließ. Seinen Streifzug durch Niedersaubach kommentierte er ausführlich, indem er die Geschichten der in den Häusern lebenden Familien erzählte, soweit sie unsere Nonne in Wien noch kennen konnte. Schließlich wurde ja das Schneidersch-Haus im Oberdorf abgerissen und oben in der Heck neu aufgebaut. Am spannendsten sind natürlich die Ausführungen, die er im Oberdorf über die Neipler, die Hirten, die Schommersch, die Kirwersch/ Kewersch, die Jagersch, die Lauersch, die Schneidersch, die Schmitz, die Hachen, die Naumersch/ Neumeiersch und die Krohnen macht.

Wir haben einmal das Fotoalbum im Original hier zum Herunterladen eingestellt(hier einfach anklichen; Achtung: 7 MB) . Josef Heinrich hat die Passagen übers Oberdorf, die sehr oft – obwohl in „Latein“ geschrieben – schwer lesbar sind (insbesondere dort, wo er in unser moselfränkisches Dialekt fällt, um der Betrachterin in Wien die Heimat ganz nah zu bringen) in „Reinschrift“ gebracht; hier steht das Transkript zum Herunterladen bereit (Achtung: 10 MB).

Edith Spaniol danken wir ganz herzlich für die Überlassung dieses wertvollen Dokumentes, das Elisabeth Thewes an Nikolaus Gross Anfang der 60er Jahre zurückschichte, weil sie befürchtete, dass das damals neutralisierte Österreich den Russen in die Hände fiele und damit auch dieses „Buch“ vernichtet würde. Nicht verwirren lassen darf man sich dadurch, dass Nikolaus Gross später immer wieder handschriftliche Nachträge bis in die 70er Jahre hinein anbringt.

Frohe Weihnachten 2010!

Lothar Schmidt

 

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