Erinnerungen wachhalten – Traditionen fortsetzen

Holzkreuz in der Rümmelbacher Kehre geflickt

Eigentlich wollte Engelbert Alt, der schon so viel für sein Dorf gemacht hatte, auch die Schindeln auf dem Holzkreuz, das am Abzweig der Rümmelbacher Landstraße nach Tanneck steht, im letzten Herbst ausgebessert haben. Leider ist er aber um die Jahreswende schwer erkrankt; im Frühjahr dieses Jahres ist er verstorben. Sein Tod hat die ganze Dorfgemeinde sehr bewegt. Es gibt wenige Gemeinschaftsprojekte in Niedersaubach, bei denen er nicht selber mit Hand angelegt hat. Das Dorf verdankt ihm viel.
Das Holzkreuz in der Rümmelbacher Kehre ist 1955 errichtet worden; dort, wo es jetzt steht, verstarb in der extrem kalten Nacht des 27. Februar 1955 der 72-jährige Jakob Sträßer, von Tanneck her kommend, auf dem Weg über Niedersaubach nach Lebach. Er erlitt wohl dort, wo er erfror, einen Schwächeanfall und kam auf dem hartgefrorenen Boden danieder. Eigentlich wollte er wohl noch im Gasthaus „Krohnen“ einkehren und seinen Freund Peter Krohn besuchen; Krohnen Piet war wie er von Beruf Grubenschmied gewesen und mit ihm „dick“ befreundet gewesen.

Holzkreuz in der Rümmelbacher Kehre, Foto: Lothar Schmidt

Holzkreuz in der Rümmelbacher Kehre, Foto: Lothar Schmidt

Wolfgang Riehm, der im „onnerschden Ecken“, wo Jakob Sträßer lebte, aufgewachsen ist, berichtet in seinen „Lebacher Erinnerungen“, Jakob Sträßer sei ein „knorriger, gutmütiger Mann“ gewesen, der sich gerade in den schlechten Zeiten nach dem 2. Weltkrieg als sehr hilfsbereit zeigte. Hinter der Lebacher Kirche, unterhalb des Pfarrhauses, betrieb er eine Schmiede, in der er unsern Bauern ihre Ackergeräte reparierte und den Nachbarn ihre Haushaltsgegenstände flickte. Wegwerfen und neu kaufen war damals für die Menschen undenkbar. Bei den hungrigen Kindern aus der Nachbarschaft sei Onkel Jakob sehr beliebt gewesen, weil es bei ihm immer eine „dicke Schmeer“ während des Spielens unten an der Theel zu essen gab.
Jakob Sträßer sei im „Tausendjährigen Reich“ Schikanen ausgesetzt gewesen; als bekennender Sozialdemokrat habe der „rote Schmied“, der laut Wolfgang Riehm den SPD-Reichstagsabgeordneten Julius Leber als Vorbild verehrte, großes Glück gehabt; er überstand die Zeit des Nazi-Terrors unbeschadet.
Das Anbringen der von Engel Alt vorgefertigten Holzschindeln hat nun sein Enkelsohn Aljoscha Alt, wie er selber gelernter Zimmermann, übernommen; es war ihm wichtig, die Arbeit seines Großvaters zu Ende zu bringen.
Schön, wenn die Enkel die Arbeit der Großeltern fortsetzen!

L. Sch.

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